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Die Rohre und ihre Verlegung

Michael de Leone schreibt über den Neubau der Leitung "von Höchburg durch bleiernen unterirdischen Kanal". Dabei wird er wohl unterirdisch verlegte Bleirohre gemeint haben. Auch Fries und Gropp schreiben "Bleirohre".

Auch anderswo sind mittelalterliche Rohrleitungen zu Burgen und Städten bekannt, z. B. in Bamberg zum Kloster Michaelsberg und die 1362 erbaute Leitung zum Schönen Brunnen in Nürnberg. 12 Würzburg war da nicht der Ausnahmefall.

Franz Seberich weist auf eine Untersuchung mittelalterlicher Bleirohre hin, die Prof. Vonderau veröffentlichte. Dieser berichtet von einer Grabung in Hersfeld im Jahre 1924. 13 Dort waren die Rohre nicht gegossen, sondern aus 80 cm langen und 15 cm breiten Bleistreifen von 3 mm Stärke überlappend zusammengebogen und dichtgehämmert. Die Enden waren ineinander geschoben und verlötet. 14

Auch vom römischen Wasserleitungs- und Rohrbau ist einiges bekannt. Das Wasser wurde, oft über große Entfernungen, mittels Wasserrinnen mit gleichmäßigem Gefälle den Städten zugeleitet. Die Verteilung in den Städten übernahm ein geschlossenes System, nämlich Blei- oder Tonrohre. Die von den Römern angewandte Methode zur Herstellung von Bleirohren beruhte auf der Verwendung von 2,95 m langen Bleistreifen. Die Breite der Streifen richtete sich nach dem Durchmesser der unterschiedlichen Rohre. Die Blechstärke betrug beachtliche 6,27 mm. Zu Rohren wurden diese Bleche vermutlich über einen hölzernen, runden oder dreieckigen Stab gebogen, mit einfacher Überlappung oder einer Überlappung mit Faltung versehen und dichtgelötet. Das Lötmaterial bestand aus Zinn oder einer Zinn-Blei-Legierung. Die Enden waren zum Zusammenstecken konisch gearbeitet und wurden nach der Montage verlötet. 15 Das Ganze deckt sich in etwa mit der Darstellung, wie Vonderau die mittelalterliche Bleirohr-Herstellung beschrieb.



Abbildung 9: Römische Bleirohre
(nach John Gray Landels)



Abbildung 10: Der Verlauf der Wasserleitung
(gepunktete Linie = Verlauf der Wasserleitung)

1   Quellfassungen in Höchberg
2   Fundstelle in Höchberg, Hauptstrasse 74
3   Fundstelle Rathaus Höchberg
4   Fundstelle Würzburger Strasse 69 (1944)
5   Fundstelle Weinberg (1886)

Sieht man sich den heutigen Rohrleitungsbau an, so werden in einem gleichmäßig tiefen Graben die Rohre in ein aufwendiges Bett aus Sand oder Split verlegt. Ist das für die heutigen festen Rohre schon nötig, um wieviel mehr für die weichen Bleirohre von damals.
Die schriftlichen Hinterlassenschaften von Martin Wilhelm 16 können helfen, die Art der damaligen Leitungsverlegung zu rekonstruieren. Er erwähnt vier Stellen, die er mit der Rohrleitung zur Festung in Verbindung bringt.
Für den Ortsbereich Höchberg schreibt er wörtlich: "Haus Nr. 423 (heute Hauptstraße Nr. 74, zur Zeit Postgebäude). Erbaut von Anton Hupp 1904 (Anm.: Schlosserei Hupp). Bei der Vornahme der Erdarbeiten beim Neubau dieses Hauses stieß man wie schon beim Bau der Knabenschule (heute Rathaus, Hauptstraße Nr. 58) auf eine alte Kanalanlage, welche zur Wasserleitung auf die Festung Marienberg gehört haben dürfte." 17 Das war etwas seitlich der heutigen Hauptstraße, was verständlich ist, verlief doch in der Mitte der Straße eine grabenförmige Rinne, die größeren Niederschlag und das Schmelzwasser des Grundes (Grundweg/Zweierberg) ableitete (heute verrohrt).

Seberich hat, von Martin Wilhelm darauf hingewiesen, im Keller des Hauses 423 diesen Kanal oder Reste davon noch gesehen. 18 Das bedeutet, die Leitung lag nicht oberflächlich, sondern in größerer Tiefe. Näher gehen weder Wilhelm noch Seberich auf diesen "Kanal" ein. Es wird wohl eine gemauerte Rinne, vielleicht ehemals mit Abdeckung, gewesen sein, in der das Bleirohr geschützt gelegen hat.

Etwas anderes zeigen die beiden Fundstellen im weiteren Verlauf der Leitung. Nach der Abbiegung in östliche Richtung an der Bundesstraße verlief sie im steilen steinigen Südhang des Leistentales. Hier wurde eine andere Art von Kanal gefunden. Für diesen Bereich berichtet Martin Wilhelm wiederum von zwei Fundstellen. Wörtlich: 1886 wurden am alten Weg auf Würzburger Gemarkung (Anm. Höchberger Straße - Abzweigung Hexenbruchweg) beim Wenden 19 eines Weinbergs von Arbeitern aus Höchberg Leitungsrohre gefunden, aber nicht aufbewahrt.


Abbildung 11: Zeichnung des 1944 gefundenen Tonrohres
Nachzeichnung nach Vorlage von Martin Wilhelm.
Auf dem Original keinerlei Maßangaben, auch kein Maßstab.

Für die zweite Fundstelle schreibt er: "1944 wurde beim Bau einer Ausweichküche 20 auf dem Grundstück von Adolf Genheimer an der alten Straße nach Würzburg (Anm. heute Würzburger Straße Nr. 69) eine Ziegelröhre ausgegraben und der Gemeinde zur Aufbewahrung übergeben. Die Röhren lagen 5 m oberhalb der Straße, und zwar 1 m tief im Boden (Anm. Die heute neu ausgebaute Straße hat den selben Verlauf und die gleiche Höhenlage wie damals). Die halbrunden Ziegelröhren waren in einer Lehmschicht verlegt."

Daß das Tonrohr nicht selbst als Wasserleitung gedient hat, darf wohl angenommen werden. Als kommunizierende Röhre mußte das Rohr ja druckdicht sein, was wegen der Länge des Weges und der Brüchigkeit des Materials nicht gegeben war. Seberich vermutet, was wohl zutreffend ist, daß in dieser abgedeckten Schale das Bleirohr verlegt war. Ein Bleirohr wurde bei dieser Offenlegung nicht gefunden. Es wird wohl als begehrtes Metall längst ausgegraben gewesen sein.


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