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Die Jahre der Wasserleitung in Kürze

1320
Die Wasserleitung Höchberg - Marienberg wird gebaut.
1525
Die Bauern belagern die Festung. Sicher haben die Hellen Haufen, in Höchberg lagerten badische Aufständische, die Wasserversorgung unterbrochen. Es scheint, als haben die Bauern Schaden an der Quellfassung verursacht. Ein Zerschlagen des bleiernen Einlaufrohres wäre denkbar. Die Zerstörung einer größeren Strecke der in der Tiefe liegenden Leitung wäre ein großer Aufwand gewesen. Gropp schreibt wörtlich über 1525:
"... ware der Bronnen von Höchberg herein verwüstet und verderbet worden."
Und weiter: "... Bischof Conrad im Jahre 1535 wiederum richten lassen."
Auch 1528 könnte während kriegerischer Auseinandersetzungen die Wasserleitung beschädigt worden sein.
1534
Aus dem Jahr 1534 ist überliefert: Mit Meister Berthold, einem Schreiner aus Gemmingen, wird ein Werkvertrag abgeschlossen. Die Wasserstube soll er so gut er kann selbst machen, alles Wasser, das er am Berg findet in die Stube bringen und dort sammeln. (die einzelnen Wasseraustritte aus der Rückseite der Wasserstube ins Sammelbecken leiten), damit es "desto sterckher sein Fluß herein haben möge." 22 Es heißt: Für das Bohren der Deucher muß er selbst sorgen. Ebenfalls für die eisernen Buchsen zum Verbinden der Deucher. 23 Auffallend ist, er soll oder kann keine Bleirohre verwenden. Sind die Bleirohre zu teuer oder sind keine zu haben? Wie später zu erfahren ist, halten die Deucher nicht lange. Wenn das Wasser im Schloß zu laufen beginnt, soll der Meister 500 fl erhalten.
1535
ist die Stadt Würzburg verpflichtet, täglich während des Sommers 100 "Fröhner" mit Werkzeug zu diesen Arbeiten zu stellen.
1536
wird Wendel Rockenacker als Gehilfe oder als Nachfolger von Berthold aufgeführt. Anscheinend gelang es erst ihm, das Wasser im Vorhof der Burg zum Laufen zu bringen ("... in unser schlos unser Frawenberg in vorhofe geleitet hat"). Für 10 Jahre wird er als Bronnmeister angestellt. Auch soll er die Leitung in den Schloßhof verlängern, "follends vom vorhove do er entspringt in unser schlos legen und leitten". Auch hat er den Auftrag, hölzerne Rohre durch Bleirohre zu ersetzen. Jetzt werden doch wieder Bleirohre statt Deucher eingebaut.
1537
wird erneut ein Werkvertrag abgeschlossen. Jorg Völle, ein Zinngießer aus Nürnberg, wird darin genannt. Seberich kommt zu der Ansicht, Rockenacker, der Mauerer war, konnte keine Bleirohre verlegen. Das wiederum wird wohl Zinngießer Völle beherrscht haben. Nachdem Völle in Nürnberg wohnen bleiben wollte, bekam er einen Dreijahresvertrag, in dem er sich verpflichtete, mit seinen Leuten auf Anforderung nach Würzburg zu kommen. Meister Völle sollte vertraglich die Leitung "weiter in ander und mehr gemach", das heißt, er soll sie weiter - vom Vorhof in den Schloßhof -- und in andere Räume verlegen. Mit "gemach" wird vor allen Dingen die Hofküche gemeint sein. Ebenso kann man vermuten, daß die alte Zisterne, die im Gebäudekeller gegenüber der Küche lag, angeschlossen wurde.
1540
Fürstbischof Konrad von Thüngen stirbt und wird im Schloß aufgebahrt. Nach den Trauerfeierlichkeiten wurde den Gästen "in der Neuen Hofstube beim springenden Brunnen" ein Nachtessen verabreicht. 24 Durch dieses Ereignis ist bestätigt, Meister Berthold, Rockenacker und Völle ist es gelungen, in den Jahren 1534 - 1537 eine leistungsfähige Brunnenstube in Höchberg zu bauen, ebenso die über 3 km lange Leitung. Mit der Erwähnung eines "springenden Brunnen" ist die Verlängerung der Leitung in den Schloßhof bestätigt. Auch muß der Wasserdruck für einen, höchstwahrscheinlich kleinen, Springbrunnen ausgereicht haben.
1573
Julius Echter von Mespelbrunn wird zum neuen Fürstbischof gewählt. Den Aufbau des 1572 abgebrannten Schlosses nimmt er verstärkt in Angriff. Dabei erhält das Brunnenhaus im Schloßhof, das am Nordflügel anlehnt, ein neues Dach. Dieser Laufbrunnen wird von der Höchberger Wasserleitung gespeist. 25 Wiederum ein Beweis, daß die Höchberger Leitung funktioniert und eine geschützte Zapfstelle vorhanden ist. Weiter ist zu vermerken: Julius führte dem "Bronnen" in Höchberg noch eine zusätzliche Quelle zu.
1606
Im 2. Burghof entsteht eine Pferdeschwemme mit Brunnen. Die große Anzahl von Pferden, die im Schloß zu versorgen waren, machte dies notwendig. Ließ Julius Echter wegen des größeren Wasserbedarfs hierfür in Höchberg den "Bronnen" noch eine Quelle zufügen?

Der Marienberg, das Bergschloß des Landesfürsten, war natürlich auch Schauplatz von Staatsempfängen und Festlichkeiten. Aus der Zeit von Julius Echter (1753 - 1617) ist einiges bekannt. Hier eine kurze Aufstellung aus den Jahren um 1600.

1576
besuchen die Kurfürsten von Mainz, Trier und Köln den Würzburger Fürsten, als sie zur Wahl Kaiser Rudolf II. nach Regensburg reisen und werden unter großem Aufwand empfangen.
1581
Kurfürst Daniel von Mainz wird im Schloß empfangen. Ebenso Erzherzog Matthias, der spätere Kaiser. Bald danach kommt Fürst Joachim von Anhalt.
1585
Der Herzog von Württemberg kommt nach Würzburg.
1590
Der Kurfürst Ernst von Köln und der Markgraf Friedrich von Brandenburg samt Gattin sind zu Gast.

So könnte man die Liste fortführen. Noch einige Beispiele, welchen Aufwand ein solcher Besuch mit sich brachte.

1612
im Herbst traf Landgraf Moritz von Hessen mit 200 Pferden und 26 Kutschen auf dem Marienberg ein.
1613
Dieses Jahr brachte viele Gäste, die zum Reichstag reisten.
Der Mainzer Kurfürst kam mit 150 Pferden, die Kurfürsten aus Trier und Köln kamen gar mit 230 Pferden. Und das sowohl auf der Hin- wie auf der Rückreise. 26

Hier zeigt sich, daß die Wasserversorgung über einen Tiefbrunnen, wie ihn die Festung Marienberg aufzuweisen hatte, nicht ausreichend gewesen wäre. Ohne die Höchberger Quellen wären Staatsempfänge von diesen Ausmaßen nicht möglich gewesen.

1631
Eines der großen Schicksalsjahre Frankens. Am 15. Oktober wird die Stadt Würzburg von den Schweden besetzt. Nur drei Tage dauert es, dann ist auch der Regierungssitz des geflüchteten Fürstbischofs, der Marienberg, eingenommen. Die Wasserversorgung der Burg zu unterbrechen, war eine der ersten Taten bei der Belagerung. Ausschlaggebend für den Fall der Festung war es nicht. Drei Tage konnten sicher mit Tiefbrunnen und Zisterne überbrückt werden. Gropp schreibt über den "Abgang" des Wassers:

"So ist auch selbigen Tags frühe daß von Höchberg per canales eingeleitetes und geführtes Bronn-Wasser aussen blieben, welches ohn Zweiffel von etlichen wohl bekandten ex odio Religionis verrathen, oder selbsten abgegraben worden, ..."

Eine Zerstörung der Höchberger Leitung durch die Schweden fand mit Sicherheit nicht statt: Eine Unterbrechung des Wasserlaufs war in den Höchberger Brunnenstuben leicht zu bewerkstelligen. Würzburg und die Burg sollten zum Stützpunkt des Schwedischen Heeres gemacht werden und so war es auch einige Jahre. Sogar die Verstärkung der Verteidigungsmauern nahmen sie in Angriff (z.B. Neutor).
1632
Sicher ist zur Zeit der schwedischen Besatzung die Wasserleitung aus Höchberg in Betrieb gewesen. Bei den vorgenommenen Schanzarbeiten war Wasser für Mensch und Tier, ja selbst zur Mörtelzubereitung vonnöten. Auch das Schloß wurde noch zu Wohnzwecken genutzt. Am 8. August 1632 kam die schwedische Königin mit Gefolge von 1000 Reitern, elf Kutschen und 12 Reisewagen in Würzburg an und nahm bis zum 24. September Wohnung auf der Burg.

1633
Der Springbrunnen erscheint nochmals als Ortsangabe:
Am 29. Juli wird Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar zum Herzog von Franken proklamiert. Bürgermeister und Räte der Stadt versammeln sich zum feierlichen Akt auf der Burg beim "Springbrunnen". 27
1635
Die Schweden kapitulieren nach Belagerung der Festung durch die Kaiserlichen. In den Jahren nach dem 30jährigen Krieg scheint die Leitung reparaturbedürftig zu sein. Von Schwierigkeiten ist die Rede. Vermutlich wurde die Leitung nur notdürftig instandgesetzt.
1653
Die Obere Mainmühle wird gebaut; eine technische Errungenschaft, eine Wasserpumpe, zur Versorgung des Schlosses dort installiert.
1656
Die Obere Mainmühle ist fertig.
Wann die Wasserversorgung aus der Oberen Mainmühle letztlich begann, ist nirgends aufgeschrieben. Vielleicht wurden beide Leitungen benutzt und dabei die Zuverlässigkeit der neuen Pumpe getestet.
1660
hören wir von einem mehrstrahligen Brunnen im Schloßhof. Eine wunderbare Arbeit soll es gewesen sein. 28
1663
Von begeisterten Gästen im Schloß ist überliefert: "Mitten ist ein groß und schöne Fontaine, welche von einem nicht weit davon stehenden Berge dahin geleitet worden." 29 Ob der Spritzbrunnen noch aus Höchberg gespeist wurde, ist nicht sicher. Die Tatsache jedoch, daß dem Gast von der nahen Quelle erzählt wurde, zeigt: Höchberg ist nicht vergessen.
1670
Stillegung und Abbau der Wasserleitung Höchberg - Marienberg.


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