oehring.net > Die Höchberger Quellen > Inhaltsverzeichnis > Der Höchberger Wasserleitungsbau in der Geschichtsschreibung

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Das Wasserproblem mittelalterlicher Burgen

Jeder der drei großen Würzburger Geschichtsschreiber Michael de Leone, Lorenz Fries und Ignatius Gropp, fand es wichtig, von der Wasserleitung aus Höchberg zu berichten.

Der einzige authentische Bericht stammt von Michael de Leone (ca. 1300 - 1350) 2 . Er war Zeitzeuge des Leitungsbaues unter Fürstbischof Gottfried von Hohenlohe (1317 bzw. 1314 - 1322). Sein Bericht gilt als glaubwürdig.

Der lateinisch abgefaßte Bericht lautet: 3

Gotfridus autem Hohenloch episcopus Herbipolensis fuit vindicato iniuriarum coelesie sue tam in capite quam in membris satagens dominari potenter. Et dominium Hiltenburg cum villis Vachendorf et Lutzeldorf a Berhtoldo comite de Hennenberg redemit. Necnon primus fontem de Höchburg per plumbea cannalia subteranea in castrum montis sancte Marie virginis Herbipolensis preciose deduxit. Et minus quatuor annis regebat.

Betreffend die Wasserleitung heißt das:
Gottfried von Hohenlohe, Bischof von Würzburg, leitet die Quelle von Höchberg durch einen bleiernen unterirdischen Kanal zur Burg Heilige Jungfrau Maria in Würzburg.

Der nächste große Geschichtsschreiber Würzburgs, Lorenz Fries (1491 - 1550) 4 , widmet im 1. Band seiner berühmten Würzburger Chronik dem Leitungsbau ebenfalls einen Absatz. Als hoher fürstbischöflicher Beamter war er mit den Angelegenheiten rund um das Schloß bestens vertraut. Zu seiner Lebenszeit wurde die Wasserleitung zur Wasserversorgung des Schlosses noch benutzt. Vielleicht war sie aber auch durch die Ereignisse beim Bauernkrieg 1525 oder Verschleiß zeitweise außer Betrieb.

In seiner Beschreibung der "Thaten" des Bischofs Gottfried III. von Hohenlohe findet sich dieser Bericht: 5

Wie der brün zu Huchberg in bleiin roren herein uf unser Frawenberg gelaitet ist worden.

Bischof Gotfrid obgenant hat den brünen im dorf Huchberg, etwan Hochburc genant, in ain stuben fassen und in darzu gemachten bleyen roren herein in das schlos unser Frawenberg laiten und furen lassen. Es sind aber volgender zeit die selben roren in den urlaugen [altes Wort für "Kriege"] und kriegen die der stift gehabt, wider zerbrochen und verwustet worden.

Lorenz Fries geht auch in seinem "Küntspruch" für Bischof Gottfried III auf den Bau der Höchberger Wasserleitung ein.

Küntsprüch

Von Hohenloh dem edlen stam
Gotfrid der ander auch herkam.
Gotselig fridlich war sein nam
und darzu auch das leben sein
verglichen sich in tugend schein.
Vom dorf Huchberg furt er herein
durch bleien roren dazumal
den schonen lauteren brunnen quaal
[Quell],
der vheinde list den wider stal

P. Ignatius Gropp OSB (1695 - 1758) 6 ist der nächste große Geschichtsschreiber, der die Wasserleitung zum Schloß erwähnt. Längst war zu Gropps Zeiten die Wasserleitung aus Höchberg still gelegt. Aber auch für ihn ist sie der Dokumentation wert. Abgelöst war diese kilometerlange, höchstwahrscheinlich störanfällige Leitung von einem Pumpwerk in der Oberen Mainmühle (bei der Pfarrkirche St. Burkard), das frisches Quellwasser zum Schloß hochpumpte.

Der Beitrag von Ignatius Gropp lautet: 7

Bronn auf dem Schloß zu Würzburg

Unter anderem durch die rebellischen Bauern im Jahre 1525 verübte Schäden ware der Bronnen, welche ehemalen Bischoff Gottfried von Hohenlohe von Höchberg herein in das Schloß Marienberg führen lassen, verwüstet und verderbt worden. Diesen hat Bischoff Conrad 8 im Jahr 1535 wiederum zurichten lassen, zu welchen hernach Bischoff Julius 9 noch ein Quellen gebracht hat.

Faßt man diese drei Berichte aus der Geschichtsschreibung zusammen, ergibt sich eine Grundlage für die gesicherte Existenz dieser Wasserleitung.

Als glaubwürdiger Zeitzeuge erwähnt Michael de Leone den Bau der Leitung unter Bischof Gottfried.

Als Zeitzeuge kennt und beschreibt auch Lorenz Fries die aus Bleirohren erbaute Leitung und die Beschädigungen in den Kriegen.

Ignatius Gropp hat sein Wissen aus geschichtlichen Quellen und schreibt von einer beschädigten Leitung und deren Wiederherstellung 1535 unter Bischof Conrad. Außerdem berichtet er: Bischof Julius ließ eine zusätzliche Quelle in Höchberg fassen.


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